Handgefertigte Prachtstücke von Hutmacher Fritz

Auf jeden Kopf den richtigen Deckel  – in Abwandlung eines alten Zitates trifft dies bei Hutmacher Alfons Fritz mit Sicherheit zu.

Mindestens 40 unterschiedliche Holzmodelle für verschiedene Hutarten stehen in seiner Andelsbucher Werkstatt. Obwohl bereits pensioniert, fertigt er als letzter gewerblicher Hutmacher Vorarlbergs jährlich noch bis zu 800 Hüte – vorwiegend für Trachtenkapellen, Musik- und Schützenvereine. Unterstützt wird er von seiner Frau Frieda, die sich vor allem auf das Einnähen der Hutbänder und den Aufputz konzentriert. „Für die Hutfertigung braucht es viel Kraft“, erklärt Alfons Fritz, „das ist mir zu streng“, ergänzt Frieda.

Aus dem Filzrohling, der meist aus Hasenhaaren und Schafwolle besteht, fertigt der 1937 geborene Andelsbucher in aufwendiger Handarbeit und ca. 15 bis 20 unterschiedlichen Arbeitsschritten die unterschiedlichsten Hutmodelle. Hergestellt werden auch Velour-, Haar-, Wollfilz- und wasserdichte Lodenhüte. Die ko­ni­schen „Stum­pen“ werden in Bad Ischl gekauft und in Andelsbuch von Alfons Fritz zu schönen Kopfbedeckungen verarbeitet. Sie werden über die von einem Tischler einst sorgfältig gefertigten Holzfor­men in die ge­wünsch­te Kopf- und Rand­form ge­zo­gen werden. Dafür wird Dampf eingesetzt, der Hut wird nach der Appretur getrocknet, abgezogen, gebürstet, gefettet, geschnitten und aufgeputzt. Zwischen 1,5 bis 3 Stunden dauert die Herstellung eines Exemplars, mit zwei Stunden Trocknungszeit muss ebenfalls gerechnet werden. Hutgrößen zwischen 53 und 62 sind gängig, es werden jedoch auf Wunsch auch Kinder- oder Puppenkopfbedeckungen gefertigt.

Einst Marktverkauf

Früher verkaufte das Ehepaar seine Hutkreationen sowie Filzpantoffeln im ganzen Land auf Märkten und Jahrmärkten. Mittlerweile haben die beiden das Fahren eingestellt, aber „ohne Schaffen geht es nicht“. Kein Wunder, wo sollte man auch seinen individuell und handgefertigten Förster- oder Trachtenhut sonst erhalten, als bei Hutmacher Fritz? Bestellungen kommen per Telefon ins Haus. Da der fingerfertige Handwerkskünstler sämtliche Aufträge in eigenen Karteikarten führt, weiss er stets welches Modell in welcher Größe einst bestellt worden ist. Was für ein Hutband verwendet wurde und er erfährt, ob der Hut nur aufgeputzt werden muss oder ein neuer eine Nummer größer fabriziert werden soll.

Historische Maschinen

Für die Hutbänder und die Randnahten werden Maschinen eingesetzt, die bereits knapp 80 bis 100 Jahre alt sind. Die alte Singer und eine Patent Pribil leisten für Fütter- und Einfassarbeiten gute Dienste. Ob Dreispitz oder Zylinder, Melone oder Trappermodell, Trachten-  oder Schützenhut – je nach Modell folgt nach der Grundfertigung der finale Aufputz. Besonders teuer sind Hutmodelle mit echten Federn wie Adlerflaum oder Spielhahn. So wird von Fritzens selbst auch ein Zillertaler Schützenhut mit weiß-schwarzen Spielhahnfedern stolz getragen. Als Musikant und Ehrenmitglied der Musik sowie Trachtenträger können Alfons und Frieda Fritz ihre eigenen Kreationen ausführen. In den vielen Schachteln der Werkstatt ist sorgfältig angeschrieben, welche Bänder und Kordeln und weitere Materialien sich darin befinden.

Lange Familiengeschichte

Den Grundstein für das Hutmachergewerbe legte einst Georg Anton Fink aus Sulzberg, der 1815 ein Haus in Andelsbuch erwarb in dem sein Sohn Alois später seine Hutmacherwerkstatt weiterführte. Die Familie Fritz trat 1897 auf den Plan, als Alois Fritz mit seiner frischgebackenen Ehefrau Maria Ursula das bei seinem Ziehvater – Alois Fink – erlernte Hutmacherhandwerk ausübte. Ehefrau Maria unterstütze ihn beim Handel und der Erzeugung von Filzhausschuhen und Hüten. Nach Alois’ Tod 1913 verkaufte sie auf Märkten neue Hüte und bereitete in ihrer Werkstatt alte Hüte wieder neu auf. 1963 übergab sie ihr Geschäft an ihren Enkel Alfons Fritz, der das Gewerbe zuerst bei seiner Großmutter und dann in Neumarkt am Wallersee erlernt hatte, 1957 seine Gesellenprüfung abgelegt hat und bis heute noch ausübt.

Die Familientradition wird allerdings nicht weitergeführt: Die Kinder von Frieda und Alfons Fritz haben andere Berufe und werden das Hutmachergewerbe nicht weiterführen. So wird der geschickte Handwerker seine Kunst so lange ausüben, als es ihm noch Freude bereitet. Glücklich kann sich schätzen wer einen echten und beständigen „Fritz“, made in Andelsbuch, auf dem Kopf tragen kann!

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